Offenheit

NDIX ist ein offener, digitaler Marktplatz. Unser Netzwerk ist offen: Dienste und Glasfaserinfrastruktur sind voneinander getrennt, so dass unsere Kunden unabhängig von ihrem Glasfaserbetreiber ihre Dienstleister auswählen können. Obwohl der Begriff der Offenheit bereits 2001 unsere Arbeit charakterisierte, hat er sich zu einem Modewort entwickelt. Im folgenden Artikel erläutert NDIX-Geschäftsführer Jeroen van de Lagemaat, welchen Anforderungen Offenheit genügen muss.

Offen vs. geschlossen artikel von jeroen van de lagemaat, geschäftsführer von ndix

Offenheit ist eine oft gepriesene Eigenschaft und ein Credo, das vielerorts im Munde ist. Wenig Klarheit herrscht jedoch darüber, was dieser Begriff tatsächlich beinhaltet und wie Offenheit in der Praxis des kommerziellen Breitbandmarkts machbar und umsetzbar ist.

Die Definition eines offenen Computer- oder Kommunikationssystems ist gemäß businessdictionary.com:
Ein System, das sich nicht in Privateigentum befindet, das ausschließlich Standard-Interfaces nutzt, das von jedermann genutzt werden kann und mit jedem System kommuniziert, dass die gleichen Standards verwendet.

Ein solches offenes System muss vier Mindestanforderungen genügen:

  • Es muss vollständig definiert sein, so dass jeder es anwenden kann. Das gilt sowohl für technische Aspekte, als auch für finanzielle (Tarife), verfahrenstechnische und wettbewerbliche Aspekte.
  • Es muss langfristig stabil sein, so dass die Nutzung planbar ist.
  • Die Spezifikationen aller relevanten Aspekte müssen öffentlich verfügbar sein.
  • Es darf nicht von einem kommerziellen Unternehmen kontrolliert werden.

Vorteile der Offenheit

Die Vorteile offener Infrastrukturen sind, dass:

  • die Verfügbarkeit vorhandener und neuer Dienste optimal gewährleistet ist und
  • der Deckungsgrad von und damit die Bereitschaft zu Investitionen in Infrastrukturen (also Glasfaserverbindungen) optimiert werden.

NDIX als Musterbeispiel

NDIX ist der Musterschüler in Sachen offener Infrastruktur. NDIX basiert die Offenheit auf folgenden Prinzipien:

  • Die gelieferte Dienstleistung und die Interfaces, über die diese genutzt werden, basieren ausschließlich auf allgemein und international anerkannten Standards.
  • Die verwendeten Techniken, Verfahren und Betriebsmodelle sind sehr stabil, die diesbezüglichen Informationen stehen auf unserer Webseite jedermann zur Verfügung.
  • Die öffentlichen Anteilseigner von NDIX gewährleisten langfristig den nicht-kommerziellen Betrieb und die einheitliche Handhabung aller Aspekte in Sachen Offenheit von NDIX. NDIX ist unabhängig und bietet selbst keine IT-Dienste an.
  • Jedermann, auch Dienstleister, kann die NDIX-Infrastruktur zu gleichen Konditionen in Sachen Technik, Tarife und organisatorischer sowie kommerzieller Aspekte nutzen.
  • Die Konditionen für das Anbieten von Diensten über NDIX sind optimal. Von einem einzigen Anschlusspunkt aus, wo auch immer er sich befindet, kann ein Anbieter allen angeschlossenen Unternehmen und Einrichtungen Dienstleistungen anbieten. Das reduziert die Kosten für den Anbieter und ermöglicht es, in den gesamten Niederlanden sowie in Teilen Deutschlands Dienste anzubieten. Diese Niedrigschwelligkeit fördert die Entwicklung und Verfügbarkeit von IT-Diensten.

Fallstricke der Offenheit

Offenheit wird im Breitbandmarkt gerne groß auf die Fahnen geschrieben. In folgenden Fällen läuft es in der Praxis aber doch schief:

  • Oftmals sind die Spezifikationen als Grundvoraussetzung nicht öffentlich zugänglich. Die Bedingungen, unter denen eine sogenannte offene Infrastruktur genutzt werden kann, wie die Tarife oder Verfahren, sind nicht selten unbekannt oder undeutlich. Das schreckt potentielle Anbieter ab. Undeutlichkeit bleibt eine starke Waffe, Offenheit tatsächlich zu unterminieren.
  • Ein oder mehrere Dienstleister genießen eine Vorzugsbehandlung. Diese erfolgt oft auf subtile Art und Weise, zum Beispiel indem ein Dienstleister früher mit (potentiellen) Kunden in Kontakt treten kann, oder eine oder mehrere Basisdienstleistungen (Internet und Telefonie) von nur einem Partner standardmäßig mit dem Kundenanschluss mitgeliefert werden.
  • Die Infrastruktur wird von einer kommerziellen Organisation verwaltet oder betrieben, die die Bedingungen der Offenheit mit beeinflussen kann. Solche Konstruktionen schränken die Offenheit oftmals ein, da kommerzielle Organisationen gerne Geschäftsmodellen zuneigen, die die Offenheit zu ihren Gunsten interpretieren. Dieses ist vor allem der Fall, wenn die betreffende Organisation zusätzlich direkt oder indirekt Dienstleistungen über die Infrastruktur anbietet – dann wird nicht selten der Bock zum Gärtner gemacht.
  • Die Bedeutung der Offenheit wird heruntergespielt. Unter dem Vorwand, dass der Kunde nicht wählen kann oder will, oder dass er ohnehin nur mit einem IT-Dienstleister Geschäfte machen würde, verabschieden sich Auftraggeber und Stakeholder von der ursprünglichen Zielsetzung der Offenheit.
  • Gemäß dem Credo, dass das Internet ja ohnehin offen sei, wird von nur einem Partner Internet-Verbindungen über die Infrastruktur geliefert. Professionelle Telefonie wird jedoch nicht über Internet ermöglicht und wird daher auch als gesonderter Standarddienst angeboten. Mit der Folge, dass andere Anbieter von Internet, Telefonie und hochwertigen Dienstleistungen wie Hosting, SaaS-Dienste etc. nicht zum Zug kommen können.
  • Offenheit wird (zu) teuer gemacht. Wenn eine offene Infrastruktur durch die Zurverfügungstellung von reinen Glasfaserverbindungen eingerichtet wird, wie es bei dem von der OPTA regulierten FttH in den Niederlanden der Fall ist, sind die Operatorkosten sehr hoch. Ein Anbieter muss dann in jedem Viertel Apparaturen einrichten und darüber hinaus Räumlichkeiten und Glasfaserverbindungen mieten. Das ist teuer und nachteilig für weniger kapitalkräftige (aber oftmals innovative) Anbieter und schränkt zudem die Zahl der möglichen Anbieter ein. Nicht mehr als fünf bis zehn Anbieterr können eine Apparatur im gleichen Raum mieten. Es ist kein Zufall, dass über die FttH-Infrastrukturen in den Niederlanden die drei Standarddienste (Internet, Telefonie und TV) von nur drei, relativ großen Anbietern geliefert werden.

In all diesen Fällen gilt: Halb offen oder auch nur etwas weniger offen ist de facto geschlossen.